NZZ-Podium vom 16. Mai 2013
«Arabischer Frühling» – eine Illusion?
Als im Winter 2010 von Tunesien ausgehend in vielen Staaten Nordafrikas wie des Nahen Ostens
Volksaufstände ausbrachen, die sich gegen die eigenen Despotien und Autokratien richteten,
schien der Siegeszug der Freiheit unwiderstehlich. Eine neue Generation selbstbewusster
junger Bürger inklusive Frauen hatte genug von der Bevormundung durch eine politische Klasse,
welche jahrzehntelang die Macht usurpiert und in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte. Doch
so laut der Ruf der Demokratie im Kampf gegen Mubarak, Ghadhafi und Co. auch ertönte, er ist
mittlerweile verhallt. Die jungen urbanen Revolutionäre sind weitgehend marginalisiert. Ins
politische Vakuum drängten stattdessen islamistische Kräfte, für die weniger die Demokratie
und die Menschenrechte im Vordergrund stehen als die Etablierung einer religiösen Herrschaft im
Zeichen des Islams. Wo, wie in Syrien, eine religiös vielschichtige Gesellschaft in ihre
Einzelteile zerfällt, droht gar ein Chaos irakischen Ausmasses. Für den Westen wie für Israel
stellt sich die Frage, wie die Entwicklung weitergeht: Wird die Region eine neue heisse Phase
innerer und äusserer Konflikte durchlaufen? Werden am Ende demokratischere und gerechtere
Gesellschaften entstehen? Oder wird der religiöse Fundamentalismus obsiegen und die dringend
nötige politisch-gesellschaftliche Modernisierung unterbinden?
Hier finden Sie das Referat als PDF von Kurt Pelda.
Als Podcast das
Referat und die
Diskussion.
| Referent | |
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Kurt Pelda freier Journalist mit Schwerpunkt Nahost und Afrika, Zürich
Kurt Pelda ist promovierter Ökonom und Journalist und als solcher oft da unterwegs, wo es "brennt". Der Autor hat aus über siebzehn Kriegsgebieten berichtet, so unter anderem aus Libyen, Iran, Kurdistan, Angola, Eritrea und Moçambique. Pelda schreibt für «The Economist», «FAZ», «FAS» und «Weltwoche». Von 1999 bis 2001 war er New-York-Korrespondent der «Financial Times Deutschland», von 2002 bis 2010 Afrika- und später Südostasien-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung». |
| Diskussionsteilnehmer | ![]() |
Jörg Lau Redaktor Politik «Die Zeit», Berlin
Jörg Lau, Jahrgang 1964, ist Redaktor bei der Wochenzeitung "Die Zeit". Seine Interessensgebiete sind: Islam, Liberalismus, Integration und Religion. In seinen Essays und auf seinem Blog schreibt er über den neuen Patriotismus, die linke Leitkultur der Bundesrepublik und was das alles mit der Tatsache zu tun hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist. Publikationen: "Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben" (2001), "Bekenntnisse eines schwer erziehbaren Vaters. Wie unsere Kinder uns erziehen" (2009). |
![]() © Hermann Huber |
Laila Soliman ägyptische Theateregisseurin, Bloggerin und Aktivistin
Die Ägypterin Laila Soliman, Jahrgang 1981, lebt und arbeitet als Theaterleiterin und Theaterautorin in Kairo. Sie setzt sich ein für ein sozial und politisch freies Theater, in dem das Individuum zu einer Darstellungsmacht findet, die ihm sonst von der Gesellschaft verwehrt ist. Sie nahm aktiv teil an der Revolution gegen das Mubarak-Regime und verfasste dazu das Theaterstück «No Time for Art», in dem sie Verhaftungen und Folterungen durch die Militärpolizei kritisiert. Mit diesen und weiteren Stücken war Soliman an europäischen Theaterfestivals eingeladen. |
| Gesprächsführung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung»
Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





Das Thema des NZZ Podiums in ausgewählten Artikeln 

