NZZ Podium vom 4. März 2010
Der flexible Mann
Wie behauptet sich das starke Geschlecht ?
«Was will der Mann?» war eine Frage, die zu stellen Sigmund Freud nicht zufällig unterliess. Was der Mann zu sein hatte,
war im patriarchalischen System klar definiert. «Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, muss wirken und streben und
pflanzen und schaffen», wusste Schiller. Und nicht minder deutlich war ihm der weibliche Part: «Und drinnen waltet die
züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise.»
In unseren Tagen, wo die Gesellschaft arbeitsteilig ausdifferenziert ist und sich die Frauen ihren Teil an Bildung
und Einfluss gesichert haben, ist von solch fixen Rollenvorstellungen wenig geblieben. Der Glanz am Lack der alten
Männlichkeit ist ab. Wo Männer früher über Vormacht verfügten, fast allein Geld verdienten, als politisch und sexuell,
gesundheitlich und beruflich kompetent galten, scheint das «starke» Geschlecht gar zum Problemfall zu werden. Die
Dogmatik des Feminismus hat den Männern nicht nur die Täterposition zugeschoben und die Frauen entlastet, sie hat auch
in Schule und Verwaltung Strukturen geschaffen, die Männern das Leben schwer machen. Quotenregelungen halten Einzug,
«Gender Mainstreaming» liegt im Trend, Knaben werden in der Schule als Störfaktor wahrgenommen.
Als zeitgemässe Utopie ist der multifunktionale Mann gefragt: der Geldverdiener und liebende Vater, der Macher und
Softie, Draufgänger und Allesversteher. Zwischen Büro, Bar und Bett, Kongress, Küche und Kinderzimmer sehen sich
nicht wenige Männer überfordert.
Hier finden Sie das Referat von Professor Dr. Amendt in deutscher oder englischer Fassung.
Als Podcast das
Referat und die
Diskussion .
NZZ Foyer, Falkenstrasse 11, 8008 Zürich
Veranstaltungsort
Zeit
18.30 bis 20.30 Uhr
Türöffnung
18.00 Uhr
Tickets bestellen
www.nzzpodium.ch/tickets/
Die Platzzahl ist beschränkt.
| Referent | |
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Prof. Dr. Gerhard AmendtProfessor für Soziologie an der Universität Bremen
Gründer des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen. Studium in Frankfurt und an der London School of Economics and Political Science. Amendt war Leiter der grossen Bremer Scheidungsväterstudie und ist Autor von Fachbüchern und Aufsätzen über das Arrangement der Geschlechter. Er gilt als prononcierter Kritiker der gängigen Genderforschung, welche die Beziehungen von Männern und Frauen als eine polarisierte Welt von Mächtigen und Ohnmächtigen oder Opfern und Henkern konstruiert. Stattdessen vertritt er einen beziehungsanalytischen Ansatz, der Raum für gemeinsame Veränderungen zulässt. |
| Diskussionsteilnehmer | |
© Bayerischer Rundfunk/Ralf Wilschewski |
Prof. Dr. Barbara Vinken, Ph. D.Professorin für Allgemeine und Französische Literaturwissenschaft am Romanischen Seminar der Universität München
1989 in Konstanz und 1991 in Yale promoviert, habilitierte sie sich 1996 in Jena und folgte im Wechsel mit Gastprofessuren an der New York University, der EHESS Paris und der Humboldt-Universität in Berlin Rufen auf die romanistischen Lehrstühle in Hamburg und Zürich. Im Frühjahr 2007 lehrte sie ein Gastsemester lang an der Johns Hopkins University. Buchpublikationen u.a.: «Flaubert. Durchkreuzte Moderne» (2009), «Eine Legende der Moderne. Flauberts Einfaches Herz» (2009), «Fashion – Zeitgeist. Trends and Cycles in the Fashion System» (2005). |
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Bänz FriedliKolumnist und «Hausmann»
Bänz Friedli, 44, seit 1983 in den Themenbereichen Populärkultur und Sport für Presse, Radio und TV tätig, ist heute Hausmann und Kolumnist des «Migros-Magazins». In seiner wöchentlichen Rubrik über die vermeintlichen Belanglosigkeiten der Haushaltsarbeit beschäftigt er sich mit der Wechselwirkung von Familienalltag und hoher Politik, mit Rollenbildern und Gendersozialisation. Soweit es sein Job als «Desperate Househusband» erlaubt, ist er als freier Autor tätig und schreibt unter anderen für «Rolling Stone» und die «NZZ am Sonntag»; zudem bestreitet er regelmässig die Samstagssatire «Zytlupe» auf Radio DRS1. |
| Gesprächsleitung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |



Das Thema und die Teilnehmer des NZZ Podiums in ausgewählten NZZ- Artikeln 

