NZZ Podium vom 5. November 2009
Die gelebte Stadt
Zwischen Urbanistik und Architektur
Architektur ist zu einem Leitmedium unserer Zeit geworden. Wo die grossen Utopien abgedankt haben,
erregen kleinere, machbare Projekte einer schöneren Lebenswelt umso mehr Aufmerksamkeit.
Während sich der Wunsch nach Selbstdarstellung und Unverwechselbarkeit weltweit in
spektakulären Einzelbauten niederschlägt, ist der Traum von der modernen Planstadt nach
wie vor nicht ausgeträumt. Ob in aufstrebenden Ländern der Zweiten und Dritten Welt die
Massen nach verbessertem Komfort streben oder in unserer atomisierten Wohlstandsgesellschaft der
wachsende Platzanspruch des Einzelnen befriedigt sein will – Grossprojekte sind im Trend.
Wobei man glaubt, aus Fehlern in der Vergangenheit gelernt zu haben.
Die Stadt wächst, daher tut Stadt- bzw. Raumplanung not. Immer komplexer werden die Anforderungen von Infrastruktur und Verkehr, von Soziokultur und Umweltschutz. Die lange Zeit populäre Idee der grünen Vorstadt hat an Anziehungskraft eingebüsst, weil die Agglomeration gesichtslos wird und das tägliche Pendeln eine Qual darstellt. Doch nicht nur aus Gründen der Identität und Zeiteffizienz drängen die Menschen zurück in die City, sondern auch weil diese erlebniskulturell stark aufgewertet wurde. Der Trend zurück ins Zentrum wiederum erhöht den baulichen Druck auf die Innenstadt, der durch die Überbauung von Industriebrachen nur teilweise aufgefangen werden kann. Hochhäuser beginnen aus dem Boden zu schiessen, bauliche Verdichtung wird propagiert, die ihrerseits an Grenzen stösst.
Hier finden Sie das Referat «Erhalten, entrümpeln, verdichten» . Vittorio Magnago Lampugnani in
deutscher und
englischer Sprache.
Hier finden Sie das Referat von Prof. Vittorio Magnago Lampugnani und die anschliessende Diskussion als Podcast.
Referat
und die
Diskussion
| Referent | |
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Dr. Ing. Vittorio Magnago Lampugnani Professor für Geschichte des Städtebaus an der ETH Zürich und eigenem Architekturbüro in Mailand 1951 in Rom geboren, wuchs Vittorio Magnago Lampugnani zweisprachig auf. Er studierte Architektur in Rom und Stuttgart, wo auch seine wissenschaftliche Karriere begann, die ihn über Graz, Boston und Frankfurt nach Zürich führte. Seit 1994 ist er ordentlicher Professor für Geschichte des Städtebaus an der ETH. Lampugnani ist in vielen beratenden Gremien tätig und Kopf wichtiger Projekte (Novartis-Campus). Fünf Jahre lang leitete er das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Zusammen mit seiner Frau betreibt er in Mailand ein Architekturbüro. Lampugnani ist Autor vielbeachteter Werke zur Architekturgeschichte und –theorie. Zuletzt erschien «Stadtarchitekturen». |
| Diskussionsteilnehmer | |
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Astrid Staufer Architektin, Frauenfeld Astrid Staufer, geboren 1963 in Lausanne, studierte Architektur an der ETH Zürich. Seit 1994 führt sie gemeinsam mit Thomas Hasler das Architekturbüro Staufer & Hasler Architekten (www.staufer-hasler.ch). Seit 2007 ist sie Professorin für Entwurf an der ETH Lausanne. Parallel zu ihrer Tätigkeit als praktizierende Architektin forscht und publiziert sie, insbesondere zum Werk des Mailänder Architekten Luigi Caccia Dominioni. Sie war und ist Mitglied verschiedener Stadtbildkommissionen und präsidiert seit 2009 die Redaktionskommission der Architekturzeitschrift Werk, Bauen + Wohnen. Soeben ist im Niggli-Verlag eine dreibändige Monographie zur Arbeit des Büros erschienen: Staufer & Hasler Architekten - Thesen, Methoden, Bauten. |
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Marcel Meili Architekt, Zürich Marcel Meili, Jahrgang 1953, studierte Architektur an der ETH Zürich. Nach Jahren im Architekturbüro Dolf Schnebli gründete er 1987 zusammen mit Markus Peter ein eigenes Büro in Zürich. Meili war u.a. Dozent an der Höheren Schule für Gestaltung Zürich sowie zweimal Gastdozent an Harvard-Universität. Seit 1999 ist er Professor für Architektur im Studio Basel der ETH Zürich, zusammen mit Jacques Herzog, Pierre de Meuron und Roger Diener. |
| Gesprächsleitung | |
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Dr. Martin Meyer
Chef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





Das Thema des NZZ Podiums in ausgewählten Artikeln 

