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NZZ Podium vom 30. September 2009

Italien - Wege aus der Dauerkrise?

Wenn auch Berlusconi nicht mehr weiterhilft ...

Shopping Italien, das von Nordländern oft besungene und verklärte «Land, wo die Zitronen blühn», scheint zur ewigen Krise verdammt. Dabei besitzt es unzählige Qualitäten: Italien ist seit 1945 eine gefestigte Demokratie, es zählt zu den führenden westlichen Industrienationen und ist eine bedeutende Kulturnation wie Reisedestination. Und doch ist Italien ständig damit beschäftigt, an sich selbst zu scheitern. Korruption und Vetternwirtschaft, Bürokratie und Ineffizienz, Mafia und Schlampigkeit, politische Operette und Sehnsucht nach dem starken Mann prägen das Bild eines Staates, der noch immer nicht ganz in der Moderne angekommen scheint.

Übten sich im Kalten Krieg das konservativ-katholische Bürgertum und die kommunistische Linke in politischer Erstarrung, haben sich die Verhältnisse seit 1989 ideologisch verflüssigt. Profiteur der neuen Unübersichtlichkeit ist der Medienmogul Silvio Berlusconi, der gerne als Retter und Saubermann auftritt, es mit den Gesetzen nicht sonderlich genau nimmt und am Ende doch keinerlei Besserung bewirkt. Römische Willkür und südliches Chaos, nördlicher Separatismus, Wirtschaftskrise und Xenophobie lassen im heutigen Italien Dolce-Vita-Stimmung schwerlich aufkeimen. Politikverdrossenheit grassiert, Problemlösungen sind kaum in Sicht. Woraus entwächst die italienische Misere? Gibt es Abhilfen? Woher könnten sie kommen?



Hier finden Sie das Referat «Italien Dauerkrise» von Nikos Tzermias in deutscher und englischer Sprache.

Hier finden Sie das Referat von Nikos Tzermias und die anschliessende Diskussion als Podcast.

Referat" Referat und die Diskussion" Diskussion


Referent
Nikos Tzermias Nikos Tzermias

NZZ-Italienkorrespondent mit Sitz in Rom


Nikos Tzermias wurde am 30. Juni 1955 in Zürich geboren, wo er auch studierte. Nach einer Mitarbeit beim Wirtschaftsmagazin «Bilanz» und einem Pensum bei der «Weltwoche» trat Tzermias 1982 in die Wirtschaftsredaktion der NZZ ein. Von 1985 bis 1989 besetzte er die Korrespondentenstelle in Tokio mit Zuständigkeit für Politik und Wirtschaft in Japan, Korea und Taiwan. 1990 bis 2001 nahm er die Berichterstattung aus New York über die Uno sowie über die amerikanische Geldpolitik und Unternehmenswelt wahr. Seit 2001 ist Nikos Tzemias als Korrespondent in Rom zuständig für die politische und wirtschaftliche Berichterstattung über Italien.
 
Diskussionsteilnehmer
Angelo Bolaffi Professor Angelo Bolaffi Professor für politische Philosophie und Direktor des Italienischen Kulturinstitutes in Berlin

Angelo Bolaffi, 1946 geboren, lehrt politische Philosophie an der Universität La Sapienza in Rom. Seit März 2007 ist er Direktor des Italienischen Kulturinstituts Berlin. Mit Niklas Luhmann und Jürgen Habermas verbunden, tat sich Bolaffi als Herausgeber und übersetzer von Texten deutschsprachiger Geistesgrössen hervor. So machte er in Italien Arbeiten von Adorno, Marcuse, Tönnies, Carl Schmitt und Hans Kelsen zugänglich. Bolaffi verfasste unter anderem: «Come noi coi fantasmi» (1998, zusammen mit Erri De Luca), «Frammento e sistema» (2001, zusammen mit Giacomo Marramao), «Il crepuscolo della sovranità. Diritto e politica nella Germania del Novecento» (2002), «Pensiero e Potere» (Lecce 2006).
 
Angelo Bolaffi Prof. Dr. Peter Kammerer Professor für Soziologie an der Universität Urbino

Peter Kammerer, geboren 1938 in Offenburg, Studium der Volkwirtschaftslehre, lebt seit 1962 in Italien und lehrte von 1970 bis 2008 Soziologie an der Universität Urbino. Sein wissenschaftliches Interesse gilt den Themen Unterentwicklung und Migration. Zusammen mit Graziella Galvani übersetzte er Stücke von Heiner Müller ins Italienische und Texte von Pier Paolo Pasolini ins Deutsche («Wer ich bin», Wagenbach 1995 und «Freibeuterschriften», Wagenbach 1998). Mitherausgeber von Antonio Gramsci, Gefängnisbriefe, Argument Verlag, Hamburg 2008. Letzte Veröffentlichung, zusammen mit Ekkehart Krippendorff und Wolf Dieter Narr: «Franz von Assisi. Zeitgenosse für eine andere Politik», Düsseldorf, 2008.
 
Gesprächsführung
Dr. Martin Meyer, Chef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Dr. Martin Meyer Chef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung»

Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte».