NZZ Podium vom 2. April 2009
Wohin steuert die Türkei?
Schlüsselland zwischen Okzident und Orient
Die heutige Türkei erscheint als zutiefst zerrissen. Ineinander verfliessende, aber auch sich widersprechende Identitäten prägen das Land, das zugleich modern und archaisch, säkular und muslimisch, europäisch und anatolisch ist. Die 1923 durch Kemal Atatürk gegründete Republik war den Idealen der Aufklärung und des Fortschritts verpflichtet, was sich in der Zurückbindung der Religion sowie in der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau ausdrückte. Freilich stand die Republik stets auch im Zeichen des Nationalismus. Nicht nur fanden in der Idee eines homogenen türkischen Staatsvolks Minderheiten wie die Kurden keinen Platz, notfalls wurde der Einheitsstaat auch militärisch verteidigt.
Durch die Renaissance des Islams und durch die Zuwanderung ländlich-konservativer ostanatolischer Bevölkerungskreise in die grossen Städte ist die kemalistische Staatsideologie in die Defensive geraten. Die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), die ihre Wurzeln im politischen Islam hat und sich auf die multiethnische Tradition des Osmanischen Reiches beruft, ist unter Premierminister Erdogan angetreten, das Korsett des Kemalismus zu sprengen. Beide Seiten ringen mit unterschiedlicher Legitimation um die zukünftige Ausrichtung des Landes. Wer steht in der Türkei für was? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Demokratie, Islam und Säkularismus? Gehört die Türkei zu Europa?
Hier finden Sie das Referat von Frau Dr. Necla Kelek in deutscher und englischer Fassung.
Als Podcast das
Referat
und die
Diskussion
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| Referentin | |
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Dr. Necla KelekSoziologin, freie Autorin und Publizistin, Berlin Necla Kelek wurde in Istanbul geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Deutschland. Sie studierte Volkswirtschaft und Soziologie und promovierte über «Islam im Alltag». Kelek lebt und arbeitet als freie Autorin in Hamburg und Berlin, ihre Spezialgebiete sind Parallelgesellschaften, Islam, Integration, Türkei. Aufsehen erregten ihre Bücher «Die fremde Braut, ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland» (2005), «Die verlorenen Söhne» (2006) und «Bittersüsse Heimat» (2008) Necla Kelek ist ständiges Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und erhielt u.a. 2005 den Geschwister-Scholl-Preis sowie 2008 den Preis «Frauen Europas - Deutschland». |
| Diskussionsteilnehmer | |
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Dr. Rainer HermannLangjähriger Korrespondent der «FAZ» in Istanbul, seit November 2008 in Abu Dhabi, Publizist Rainer Hermann wurde 1956 in Lörrach geboren. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Islamwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über moderne syrische Geistesgeschichte. Danach war Hermann Redaktor bei der Bundesstelle für Aussenhandelsinformation in Köln, 1990 wurde als deren Korrespondent in Kuwait Augenzeuge des irakischen Einmarsches. 1998 Eintritt in die Redaktion der FAZ als Korrespondent mit Sitz in Istanbul. Nach dem 11. September 2001 verstärkte politische Berichterstattung über die arabische Welt. Ende 2008 Umsiedlung nach Abu Dhabi. Autor des Buches «Wohin geht die türkische Gesellschaft? Kulturkampf in der Türkei» (2008). |
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Dr. Cyrill StiegerAuslandredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» Cyrill Stieger wurde 1950 in Oberriet / St. Gallen geboren. Studium der Slawistik und Osteuropäischen Geschichte an den Universitäten Zürich und Zagreb. Abschluss mit einer Dissertation zum lyrischen Frühwerk des russischen Dichters Wladimir Majakowski. Von 1976 bis 1980 war Stieger Assistent am Seminar für Osteuropäische Geschichte der Universität Zürich, von 1981 bis 1984 Attaché an der Schweizerischen Botschaft in Moskau. 1986 Eintritt in die Auslandredaktion der NZZ. Von 1988 bis 1996 Korrespondent für Ostmitteleuropa und die Balkanländer mit Sitz in Wien. Seit der Rückkehr in die Redaktion zuständig für Ostmittel- und Südosteuropa sowie für die Länder Zentralasiens und Afghanistan. |
| Gesprächsführung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





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