NZZ Podium vom 5. Februar 2009
Die Weltfinanzkrise
Analyse und Ausblick
Mit dem Kollaps des amerikanischen Hypotheken-
sektors ist die Welt in eine Finanzkrise hineingeschlittert, welche die Ausmasse
des bisher Dagewesenen sprengt. Wo sich eben noch alle durch die gegen-
seitige globale Vernetzung in Sicherheit und Stabilität
gewiegt hatten, breitete sich plötzlich das totale Misstrauen aus. Banken hörten auf, einander Kredit zu geben, der Geldmarkt
trocknete aus.
Wo der Liquiditätsengpass Institute nicht in den Konkurs trieb, konnten viele dank massiver Staatshilfe
überleben. Durch den Schreck der Finanzmarktkrise rutschte auch die Realwirtschaft in eine Rezession, deren Tragweite nicht
abzusehen ist.
Wie konnte eine dermassen grosse Blase entstehen? Warum hat die Finanzwelt die Katastrophe nicht kommen sehen? Wer trägt
Schuld: Die «Wall Street» in ihrer Gier, das Fed in seiner Kurzsichtigkeit oder der Staat, der falsche Anreize setzte? Woher wird
Heilung kommen? Droht ein Übermass an Regulierungen? Hat die Ära des Wirtschaftsliberalismus den Zenit überschritten? Wie muss das Finanzsystem organisiert sein, um künftig Blasenbildungen zu verhindern? Braucht
es eine neue ökonomische Moral?
Welche Machtverschiebungen wird die globale Finanzkrise zeitigen? Werden die USA die Rolle des Wirtschaftsmotors der Welt weiterhin
spielen können? Werden China und die erdölexportierenden Staaten die grossen Profiteure sein? Wird es eine neue Weltfinanz-
ordnung geben?
Hier finden Sie das Referat von Dr. Philipp Hildebrand und das anschliessende Statement von Herbert J. Scheidt in der deutschen oder englischen Fassung.
Als Podcast das
Referat
und die
Diskussion
.
| Referent | |
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Dr. Philipp HildebrandVizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank Seine berufliche Laufbahn begann Hildebrand 1994 beim WEF in Genf und wechselte dann zu Moore Capital Management in London und New York. Im Jahr 2000 trat er als Chief Investment Officer in die Vontobel Gruppe in Zürich ein, bevor er 2001 zur Union Bancaire Privée in Genf übertrat, wo er als Chief Investment Officer und Mitglied des Exekutivkomitees tätig war. Mit seiner Ernennung ins Direktorium der Schweizerischen Nationalbank übernahm Hildebrand im Juli 2003 die Leitung des III. Departements. 2007 wählte ihn der Bundesrat zum Vizepräsidenten des Direktoriums und Vorsteher des II. Departements in Bern. Im Januar 2006 wurde Hildebrand zum Vorsitzenden der Stellvertreter der Zehnergruppe (G-10) ernannt, im August 2006 zum Präsidenten des Stiftungsrates des ICMB in Genf. Er ist Mitglied des Comité stratégique von Agence France Trésor, des für die Schulden- und Vermögensverwaltung Frankreichs zuständigen Organs, und wurde im Jahr 2008 Mitglied der Group of Thirty. Hildebrand ist verheiratet und Vater einer Tochter. |
| Diskussionsteilnehmer | |
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Herbert J. ScheidtCEO der Vontobel-Gruppe
Herbert J. Scheidt wurde 1951 geboren. Er ist seit Oktober 2002 CEO der Vontobel-Gruppe. Ausbildung: Handelskaufmann, M.A. in Economics University Sussex, M.B.A. University New York. Seine beruflichen Stationen: von 1982-2002 war er bei der Deutschen Bank in verschiedenen Funktionen tätig (in Deutschland, New York und Mailand). Von 1996-2002 war er Leiter des Private Banking International in Genf. Er ist Mitglied des Vorstandes der Vereinigung Schweizerischer Handels- und Verwaltungsbanken (VHV), wie auch Verwaltungsratsmitglied der SIX Group AG, Mitglied des Präsidiums Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik und des Swiss American Chamber of Commerce und des Industrie-Club E.V. Düsseldorf. Ebenfalls ist er stellvertretender Geschäftsleiter der GGK Grundstücksgesellschaft Kettwig. |
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Dr. Gerhard SchwarzLeiter der Wirtschaftsredaktion und stellvertretender Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» Gerhard Schwarz wurde 1951 in Vorarlberg geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen, den USA (Great Barrington/Massachusetts) und Kolumbien (Bogotá). Die Promotion erfolgte bei Prof. W. A. Jöhr. 1981 trat Gerhard Schwarz in die «Neue Zürcher Zeitung» ein und arbeitete als Wirtschaftskorrespondent in Paris (1982 bis 1986). Seit 1994 ist er Leiter der Wirtschaftsredaktion mit den Schwerpunkten Konjunktur, Ordnungspolitik, Geldpolitik. Schwarz besitzt einen Lehrauftrag der Universität Zürich, daneben ist er Mitglied mehrerer Stiftungsräte sowie Träger des Ludwig-Erhard-Preises. Gerhard Schwarz hat diverse Bücher verfasst, darunter «Die Soziale Kälte des Liberalismus» (1997) und «Psychologische Grundlagen der Ökonomie» (mit Ernst Fehr, 2003). Er ist Vater dreier erwachsener Töchter. |
| Gesprächsführung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





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