NZZ Podium vom 25. September 2008
Die flexible Frau
Zwischen Kind und Karriere, Solidarität und Selbstverwirklichung
«Was will das Weib?» fragte Sigmund Freud einst. «Emanzipation!», lautete die Antwort der Frauenbewegung
des 20. Jahrhunderts, die in der feministischen Behauptung gipfelte, dass Anatomie nicht nur kein Schicksal sei, sondern die
Unterschiede der Geschlechter weniger in der biologischen Anlage als in der gesellschaftlichen Zurichtung wurzelten.
Freilich bedurfte es gar nicht der Gleichheitsideologie, um die Frauen in hohem Mass von den Zwängen zu befreien,
die ihnen die patriarchalische Gesellschaft lange auferlegt hatte. Heute stehen den Frauen in Wirtschaft, Politik,
Universität und Kultur alle Möglichkeiten der Mitwirkung und des Aufstiegs offen, ja es gibt Bereiche,
in denen die Frauen die Männer an den Rand zu drängen beginnen. Dabei ist die Frauenemanzipation auf Protest und
Aufklärung, aber ebenso sehr auf die Modernisierung und Flexibilisierung der Lebensführung in einer zunehmend
durchökonomisierten Gesellschaft zurückzuführen.
Die neue Freiheit aber stellt die Frauen vor erhebliche Wahl- und Rollenprobleme, und die Selbstverwirklichung stösst
an Grenzen des Machbaren. Zwar scheint zwischen Kind und Karriere, Liebe und Leistung, Familie und Fun alles möglich,
doch kommen sich die Dinge in die Quere. Da tickt die innere Uhr des Kinderhabenkönnens, da geben sich die Männer
überfordert, da sind die alten Wünsche der Weiblichkeit und die neuen Zwänge der Emanzipiertheit. Verzweifelt
sind oft die Hausfrauen, aber die Businessfrauen sind es nicht minder.
Hier finden Sie das Referat von Dr. Cora Stephan in der deutschen oder englischen Fassung.
Als Podcast das Referat und die Diskussion.

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| Referentin | |
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Dr. Cora StephanPublizistin, Frankfurt a./M Cora Stephan lebt als Publizistin und Schriftstellerin in Frankfurt am Main. Nach ihrer Promotion in Politikwissenschaft war sie als Lehrbeauftragte an der Universität, Lektorin, Moderatorin und Redaktorin beim Hessischen Rundfunk wie auch als Bonner Korrespondentin beim Spiegel tätig. Seit 1987 ist Cora Stephan freiberufliche Autorin. Sie verfasste zeitkritische Sachbücher wie "Der Betroffenheitskult" und "Handwerk des Krieges", die weitum Aufmerksamkeit erregten. Für die Kriminalromane «Schneesterben» und «Nichts als die Wahrheit», welche sie unter dem unter dem Pseudonym Anne Chaplet schrieb, wurde sie mehrfach preisgekrönt. In diesem Frühling legte sie ihren neunten Roman vor: «Schrei nach Stille». |
| Diskussionsteilnehmer | |
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Prof. Dr. iur. Helen KellerOrdinaria für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht, Universität Zürich Helen Keller, geboren 1964, absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, wo sie 1993 promoviert wurde. Es folgten Studien- und Forschungsaufenthalte in Brügge, Cambridge und Florenz. Danach war Helen Keller bis 2002 Oberassistentin an der Universität Zürich und hatte dabei die Projektleitung des Kommentars zum Umweltschutzgesetz inne. 2002 habilitierte sie sich. 2002 bis 2004 war Helen Keller ordentliche Professorin an der Universität Luzern. Dann folgte sie einem Ruf an die Universität Zürich, wo sie seither Öffentliches Recht sowie Europa- und Völkerrecht lehrt. Im Juli 2008 ist sie in den Menschenrechtsausschuss der Uno gewählt worden. Helen Keller ist verheiratet, lebt in Zürich und ist Mutter von zwei Söhnen. |
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Dr. Remo Largo Arzt und Entwicklungspsychologe, St.Gallen Remo Largo wurde 1943 geboren und lebt in Gommiswald. Bis 2005 war Remo Largo Professor für Kinderheilkunde und leitender Arzt in der Abteilung Wachstum und Entwicklung am Kinderspital Zürich. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Tätigkeit standen die Zürcher Longitudinalstudien, in denen die Entwicklung von mehr als 700 Kindern von der Geburt bis ins Erwachsenenalter aufgezeichnet und analysiert wurde. Remo Largo verfasste 120 wissenschaftliche Publikation. Grosse Beachtung fanden die Bücher «Babyjahre» (600 000 verkaufte Exemplare), «Kinderjahre» und «Glückliche Scheidungskinder». Remo Largo ist Vater von drei Töchtern und Grossvater von vier Enkelkindern. |
| Gesprächsführung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





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