NZZ Podium vom 22. Mai 2008
Frankreich – ein Jahr nach Sarkozy
Wegweisender Reformer oder machtbewusster Selbstdarsteller?
Nach Jahren der Stagnation unter Jacques Chirac hat Frankreich im Mai 2007 Nicolas Sarkozy mit deutlichem Mehr
zum neuen Präsidenten gewählt. Als Exponent einer jüngeren Generation, als Aussenseiter mit
starker analytischer Gabe und Aufsteiger mit hohem Elan versprach Sarkozy, Frankreich zu reformieren und zu
modernisieren. Wirtschafts- und Bildungsreformen sowie die Banlieue-Unruhen standen innenpolitisch auf der Agenda,
aussenpolitisch die EU-Verfassungskrise. Und in der Tat vollzog Sarkozy in vielem einen «Bruch» mit
der Vergangenheit - in der Auswahl seines Kabinetts, in der Versöhnung mit den USA und der Wiederintegration
Frankreichs in die Nato. In kurzer Zeit brachte er eine Steuer-, Renten- und Universitätsreform auf den Weg.
Neue Akzente setzte Sarkozy zudem in der Einwanderungs- und Integrationspolitik. Weder Mitterrand noch Chirac
hatten sich solches zugetraut. Doch Sarkoszys politischer Leistungsausweis wird mehr und mehr getrübt durch
seinen Hang zur medialen Selbstinszenierung. Jenseits der üblichen präsidialen Zurückhaltung die
Macht sichtbar geniessend, rückt er nicht eben stilsicher sein Privatleben in den Vordergrund. Seit Zweifel
an seinem Charakter aufkommen, sieht sich Sarkozy mit einem rapiden Popularitätsverfall konfrontiert.
Wie geht es weiter mit «Super-Sarko»? Lernt er aus seinen Fehltritten? Wird er seinen Stil noch finden?
Kann er die geplanten grossen Reformen vollenden? Oder wird er am Ende an sich selbst scheitern?
Hier finden Sie das Referat von Dr. Christian Müller in der deutschen oder englischen Fassung.
| Referent | |
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Dr. Christian MüllerFrankreich-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung» Christian Müller,1945 in Zürich geboren, ist der Frankreich-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung». Er studierte politische Wissenschaft, Geschichte und Völkerrecht in Zürich und München und promovierte 1969 in Bonn. 1969 trat er in die Auslandredaktion der NZZ ein. 1972 bis 1978 war er Korrespondent in Ost- und Südostasien, darauf Militärkorrespondent (unter anderem in Israel und dem Libanon). 1983 bis 1988 war er Korrespondent in Paris. 1988 wechselte er nach Bonn und zog sich 1997 nach Frankreich zurück. Christian Müller veröffentlichte eine Biografie über Stauffenberg (1970, Neuauflage 2003). Weiter Publikationen: «Heerlager Europa» (1983), «Europa von der Befreiung zur Freiheit» (1992) und «Helmut Kohl - auf der Höhe der Zeit» (1996). |
| Diskussionsteilnehmer | |
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Cécile WajsbrotSchriftstellerin, Paris / Berlin Cécile Wajsbrot wurde 1954 in Paris geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft und arbeitete anschliessend als Französischlehrerin und Literaturredaktorin. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin abwechselnd in Paris und Berlin. Beim Liebeskind-Verlag erschienen bisher die Romane «Mann und Frau den Mond betrachtend» (2003), «Im Schatten der Tage» (2004) und «Der Verrat» (2005). Mit ihrem Roman «Aus der Nacht» wurde Cécile Wajsbrot für den Prix Renaudot und den Prix Femina nominiert. Zur Zeit ist sie Stipendiatin des Berliner DAAD-Künstlerprogramms. |
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Prof. Dr. Henri MénudierUniversität Sorbonne, Paris Der Politologe Henri Ménudier, geboren 1940, Professor an der Universität Paris III - Sorbonne Nouvelle (Institut d`Allemand), gilt als Fachmann in den Bereichen «Deutschland nach 1945» sowie in deutsch-französischen und europäischen Fragen. Von 2001 bis 2005 war er Präsident des «Bureau International de Liaison et de Documentation» sowie Direktor der Revue «Documents». Seit 2005 bekleidet er das Amt des Direktors des «Centre Universitaire d'Asnieres». Zu seinen Veröffentlichungen zählen «La vie politique en Allemagne féderale», «Das Deutschlandbild der Franzosen in den siebziger Jahren», «Parteien und Wahlen im politischen System der Bundesrepublik Deutschland» und «Das Deutsch-Französische Jugendwerk. Ein exemplarischer Beitrag zur Einheit Europas». Daneben hat Henri Ménudier zahlreiche Schriften und Aufsätze in Sammelwerken verfasst. Er hat an vielen Radio- und Fernsehsendungen in Deutschland und Frankreich teilgenommen sowie rund zwanzig Dokumentarfilme für das deutsche Fernsehen produziert. |
| Gesprächsführung | |
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Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





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