NZZ Podium vom 3. April 2008
Demografie
Wie reich ist eine kinderarme Gesellschaft?
Europa als Teil der hochindustrialisierten Welt steht vor einer grossen und womöglich
dramatischen demographischen Herausforderung: Wir werden immer älter und bekommen immer
weniger Kinder, was nicht ohne Auswirkung auf die Struktur unserer Gesellschaft als Ganzes bleibt.
Woher kommt der verbreitete Unwille und die Unlust, Kinder zu zeugen und aufzuziehen? Liegen die
Gründe im veränderten Rollenverhalten von Mann und Frau? Setzen unsere Sozialsysteme
falsche Anreize? Ist die Kinderarmut Ausdruck eines generellen Zukunftspessimismus?
Immer dringlicher wird die Vorbereitung auf die praktischen Folgen der Überalterung:
Wie können die sozialen Systeme aufrechterhalten werden, wenn immer weniger Junge für
immer mehr Alte aufzukommen haben? Wie entwickelt sich das politische und wirtschaftliche System?
Lassen sich Reichtumseinbussen durch erhöhte Produktivität wettmachen? Wie verschieben sich die
Werte, wie die Machtverhältnisse - lokal und global? Steht ein Kampf der Generationen bevor?
Kann die klassische Dreiteilung des Lebens in Ausbildung, Arbeit und Ruhestand weiter aufrechterhalten
werden? Wie reagiert die Politik? Gibt es noch Möglichkeiten, diese absehbare Entwicklung
zu dämpfen - durch gesteuerte Einwanderung, durch Geburtenpolitik, durch Reformen im Hinblick
auf eine kindergerechtere Gesellschaft? Wie geht ein Land wie Japan, wo die Entwicklung bereits weit
fortgeschritten ist, mit den Problemen um? Wie sehen diese Probleme konkret aus?
Hier finden Sie das Referat von Joachim Güntner in der deutschen oder englischen Fassung.
| Referent | |
![]() |
Joachim GüntnerFeuilleton Korrespondent «Neue Zürcher Zeitung», Leipzig Joachim Güntner, geboren 1960, ist der Deutschland-Kulturkorrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung». Güntner studierte Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften, bevor er zehn Jahre als freier Publizist arbeitete und daneben ein kurzes Gastspiel als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kunsthochschule für Medien in Köln gab. Joachim Güntner verfasste zahlreiche Beiträge für überregionale deutsche Feuilletons, Kulturzeitschriften und den Hörfunk. Auf 1990 datiert die erste Veröffentlichung in der NZZ. 1997 nahm Joachim Güntner die Berichterstattung über das kulturelle und intellektuelle Leben in Deutschland als fester Kulturkorrespondent auf. Seit 1998 ist er Mitglied der Redaktion. Zusammen mit Marion Janzin verfasste Joachim Güntner «Das Buch vom Buch - 5000 Jahre Buchgeschichte» (1995). |
| Diskussionsteilnehmer | |
![]() |
Prof. Dr. Florian CoulmasDeutsches Institut für Japanstudien, Tokio Florian Coulmas, 1949 in Hamburg geboren, war als Professor für Kultur und Geschichte des modernen Japans am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg, aber auch an Universitäten in den USA und in Japan tätig. Gegenwärtig leitet er das Deutsche Institut für Japanstudien in Tokio, wo er unter anderem die Demografieproblematik erforscht. Coulmas kam zum ersten Mal 1971 während des Studiums nach Japan, wo er schliesslich zwanzig Jahre lang lebte. Er schreibt regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung», die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «Japan Times». Er ist Verfasser zahlreicher Bücher. Zuletzt erschienen sind bei C. H. Beck: «Die Gesellschaft Japans. Arbeit, Familie und demographische Krise» (2007), «Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte.» (2003), «Die Kultur Japans. Tradition und Moderne» (2003). |
![]() |
Jacqueline FehrNationalrätin SP, Winterthur Jacqueline Fehr, wurde 1963 geboren. Sie ist ausgebildete Lehrerin und vertritt seit 1998 die SP des Kantons Zürich im Nationalrat. Sie arbeitet dort in der Verkehrskommission, sowie in der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit sind: Stärkung der Familien, Vereinbarkeit von Familien und Beruf, Modernisierung der Volksschule, Förderung des öffentlichen Verkehrs, Stärkung einer sozialen Gesundheitsversorgung und Entwicklung einer kohärenten Suchtpolitik. Jacqueline Fehr lebt mit Ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Winterthur. |
| Gesprächsführung | |
![]() |
Dr. Martin MeyerChef Feuilleton «Neue Zürcher Zeitung» Martin Meyer, geboren 1951 in Zürich, studierte Geschichte, deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich. Seit 1974 ist er Redaktor im NZZ-Feuilleton, 1992 übernahm er dessen Leitung. Die Schwerpunkte seiner publizistischen Arbeit liegen in der Zeitanalyse, in der Literatur und Philosophie sowie in der klassischen Musik. Martin Meyer ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher, u. a. über Ernst Jünger, Thomas Mann sowie die Schweiz und Europa. Weitere Publikationen galten dem «Ende der Geschichte» und dem «Krieg der Werte». |





Das Thema des NZZ Podiums in ausgewählten NZZ- Artikeln 

